Legionellen im Trinkwasser: Risiken, Prüfpflicht und Schutz

Der Name klingt nach etwas weit Entferntem – doch Legionellen kommen häufiger vor, als die meisten Menschen denken. Jedes Jahr erkranken in Deutschland schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen an der Legionärskrankheit, einer schweren Lungenentzündung. In diesem Artikel erfährst du, was Legionellen sind, wie sie ins Trinkwasser gelangen, wer zur Prüfung verpflichtet ist – und wie du dich und andere wirksam schützen kannst.

Was sind Legionellen?

Legionellen (Legionella) sind Bakterien, die natürlicherweise in Gewässern vorkommen – in Seen, Flüssen und im Grundwasser. In geringen Mengen sind sie harmlos. Problematisch werden sie, wenn sie sich in Trinkwasser-Installationen unkontrolliert vermehren und als feine Wassertröpfchen (Aerosole) eingeatmet werden.

Bekannt wurden die Bakterien 1976, als bei einem Veteranentreffen im Hotel Bellevue Stratford in Philadelphia 34 Menschen an einer rätselhaften Lungenentzündung starben. Der Übeltäter wurde in der Klimaanlage des Hotels gefunden – und nach den Veteranen der American Legion benannt.

Wie vermehren sich Legionellen im Wasser?

Legionellen fühlen sich in einem Temperaturbereich von 25 bis 50 °C besonders wohl. Genau das ist das Problem: In schlecht gewarteten Warmwasserleitungen und Speichern können die Temperaturen in diesem Bereich liegen – ideal für eine explosive Vermehrung.

Besonders risikoreich sind:

  • Warmwasserspeicher mit niedrigen Betriebstemperaturen
  • Leitungsabschnitte mit wenig Durchfluss (sogenannte „tote Leitungen“ oder Stagnationsbereiche)
  • Duschköpfe und Armaturen mit Ablagerungen
  • Klimaanlagen und Kühltürme mit Wasserkreislauf
  • Whirlpools und Schwimmbäder

Wichtig: Das Trinken von Legionellen-belastetem Wasser ist in der Regel nicht gefährlich – die Infektion erfolgt fast ausschließlich durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen (Aerosole) beim Duschen, Spülen oder durch Klimaanlagen.

Wer kann sich anstecken?

Grundsätzlich kann jeder Mensch an der Legionärskrankheit erkranken. Besonders gefährdet sind jedoch:

  • Ältere Menschen über 60 Jahre
  • Raucher (die Lunge ist geschwächt)
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Personen mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen
  • Diabetiker

Bei gesunden, jüngeren Menschen verläuft eine Legionellen-Infektion oft als leichtere Erkältung (sogenanntes Pontiac-Fieber) ohne schwere Komplikationen.

Symptome: Woran erkennst du eine Infektion?

Die Legionärskrankheit beginnt typischerweise 2 bis 10 Tage nach der Ansteckung mit folgenden Symptomen:

  • Hohes Fieber (über 39 °C)
  • Husten, oft mit Auswurf
  • Atemnot
  • Muskel- und Kopfschmerzen
  • Manchmal Durchfall und Verwirrtheit

Die Krankheit kann lebensbedrohlich sein und muss mit Antibiotika behandelt werden. Wenn du Verdacht hegst, suche umgehend einen Arzt auf.

Wer ist zur Legionellenprüfung verpflichtet?

In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) die Prüfpflichten:

Prüfpflichtig sind:

  • Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung – also alle, die Trinkwasser an Dritte abgeben oder für deren Nutzung vorhalten
  • Dazu gehören: Vermieter von Mehrfamilienhäusern mit mehr als 2 Wohneinheiten, Hotels, Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, Sportstätten, Campingplätze
  • Als Großanlage gilt: Warmwasserspeicher mit mehr als 400 Liter Inhalt oder mehr als 3 Liter Inhalt in Rohrleitungen zwischen Speicher und Zapfstelle

Nicht prüfpflichtig sind:

  • Selbst genutzte Einfamilienhäuser
  • Kleine Anlagen (unter den genannten Grenzwerten)

Prüfintervall: Mindestens alle 3 Jahre durch ein akkreditiertes Labor.

Achtung für Vermieter: Wer die Prüfpflicht ignoriert, riskiert Bußgelder – und im Schadensfall eine erhebliche Haftung.

Grenzwert: Wann ist das Wasser belastet?

Die Trinkwasserverordnung legt folgende Grenzwerte fest:

  • Technischer Maßnahmenwert: 100 KBE (koloniebildende Einheiten) pro 100 ml
  • Bei Überschreitung müssen sofort Maßnahmen ergriffen werden – z. B. thermische Desinfektion oder UV-Behandlung

Schutzmaßnahmen – so beugst du vor

1. Warmwasser heiß halten

Der einfachste Schutz: Warmwasser im Speicher mindestens auf 60 °C erhitzen. Bei dieser Temperatur sterben Legionellen innerhalb von Minuten ab. Am Hahn sollte das Wasser mindestens 55 °C erreichen.

2. Kaltwasser kalt halten

Kaltwasserleitungen sollten dauerhaft unter 20 °C bleiben – hohe Temperaturen durch Sonneneinstrahlung oder Nähe zu Warmwasserrohren fördern die Legionellenbildung.

3. Stagnation vermeiden

Wasserinstallationen sollten regelmäßig durchspült werden. Leitungsabschnitte ohne Nutzung (z. B. in leerstehenden Wohnungen oder ungenutzten Gäste-Bädern) sollten regelmäßig gespült oder stillgelegt werden.

4. Duschköpfe reinigen und tauschen

Duschköpfe sollten mindestens alle 6 Monate gereinigt und desinfiziert – oder alle 2 Jahre ausgetauscht werden. Hier sammeln sich besonders gerne Biofilme, in denen Legionellen überleben.

5. UV-Desinfektion einsetzen

Besonders effektiv und chemikalienlos: UV-C-Desinfektionsanlagen im Wasserleitungssystem töten Legionellen und andere Keime ab, ohne den Wassergeschmack zu verändern oder Rückstände zu hinterlassen. Sie eignen sich ideal als zusätzliche Schutzmaßnahme – gerade in Gebäuden mit älteren Installationen.

Bei Alfiltra findest du professionelle UV-Desinfektionsanlagen für private und gewerbliche Anwendungen – inklusive fachgerechter Installation und Wartung.

Was tun, wenn Legionellen nachgewiesen wurden?

  1. Gesundheitsamt informieren – bei Überschreitung des Maßnahmenwertes ist dies Pflicht
  2. Sofortmaßnahme: Thermische Desinfektion (Spülung mit mind. 70 °C heißem Wasser an allen Zapfstellen)
  3. Ursache finden: Fachbetrieb hinzuziehen, Installation prüfen
  4. Dauerlösung: Anlage optimieren, UV-Desinfektion nachrüsten, Betriebsweise ändern
  5. Nachuntersuchung nach der Sanierung

Häufige Fragen zu Legionellen

Sind Legionellen im Trinkwasser sichtbar?

Nein. Legionellen sind Bakterien – sie sind mit bloßem Auge nicht erkennbar und verändern weder Farbe noch Geruch des Wassers. Nur ein Labortest kann Gewissheit geben.

Kann ich Legionellen durch Abkochen abtöten?

Ja – Legionellen sterben bei 60 °C innerhalb weniger Minuten ab, beim Kochen (100 °C) sofort. Abkochen ist aber als Dauerlösung unpraktisch. Für das Duschwasser (das eingeatmet werden kann) hilft Abkochen nicht.

Wie lange überleben Legionellen ohne Wasser?

Außerhalb von Wasser sind Legionellen sehr kurzlebig. Die Gefahr geht ausschließlich von belastetem Wasser und den daraus entstehenden Aerosolen aus.

Fazit

Legionellen sind ein ernstes Thema – vor allem für Vermieter, Gewerbetreibende und Betreiber öffentlicher Gebäude. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Schutzmaßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren. Die drei wichtigsten Punkte: Warmwasser heiß halten, Stagnation vermeiden und bei Bedarf UV-Desinfektion einsetzen.

Du hast Fragen zu Legionellenschutz oder UV-Desinfektionsanlagen? Auf Alfiltra.de beraten wir dich gerne.

Weiterführende Quellen

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